Die Häfen Mannheim und Ludwigshafen haben auch nach einem deutlichen Rückgang beim Umschlag fossiler Energieträger gute Zukunftsperspektiven: vor allem durch den Containerverkehr, aber auch durch den Transport alternativer Energieträger wie Wasserstoff, der Kreislaufwirtschaft sowie Groß- und Schwertransporte. Diese Wachstumsfelder der Binnenschifffahrt bieten für die beiden Häfen große Potenziale. Diese Schlussfolgerung ziehen die IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Vogel (IHK Pfalz) und Dr. Axel Nitschke (IHK Rhein-Neckar) aus der „Potenzialstudie Binnenhäfen Ludwigshafen und Mannheim“, die Planco Consulting aus Essen im Auftrag der beiden Industrie- und Handelskammern erstellt hat. Vorgestellt wurde die Studie am 24. April auf dem „Hafenforum 26“ im Mannheimer Rosengarten. „Die Binnenhäfen sind ein zentraler Baustein der klimaneutralen Transformation der Industrie und des Güterverkehrs. Ohne sie wird die Transformation kaum gelingen“, sagte Planco-Berater Dr. Till Kösters mit Blick auf die Wachstumspotenziale. Diese positive Entwicklung ist für die Häfen indes kein Selbstläufer, mahnen die Studienautoren Kösters und Gunnar Platz. „Die Rahmenbedingungen müssen besser werden. Das gilt vor allem für die verkehrliche Anbindung“, sagte Platz und nannte als zentrale Engpässe die unzureichende Fahrrinnentiefen am Mittelrhein, überlastete Straßen und Brücken sowie Engpässe im Schienennetz. Denn die Stärke der beiden Häfen liege in ihrer Trimodalität, also der Kombination von Wasser, Schiene und Straße. Dabei entwickelt die IHK-Studie drei Entwicklungsszenarien. Ausgehend von den Zahlen der Verkehrsprognose 2040 des Bundesministeriums für Verkehr wird für Ludwigshafen bis zum Jahr 2040 ein Wachstum der Güterverkehre von 21 Prozent gegenüber 2019 prognostiziert. In Mannheim liegt die Steigerung bei 16 Prozent. „Diese Zahlen lassen allerdings die derzeitige wirtschaftliche Entwicklung in der chemischen Industrie außen vor“, ordnet Jürgen Vogel, Hauptgeschäftsführer der IHK Pfalz, die Werte ein.
„Die politischen Versäumnisse der vergangenen Jahre haben uns eingeholt. Die Entwicklung der Energiepreise und der Lohnkosten machen der Branche ebenso zu schaffen wie überbordende Bürokratie und Regulatorik“, so Vogel. In einem Konstanz-Szenario korrigiert die Studie daher die Aussichten zu einem leichten Rückgang des wasserseitigen Umschlages, sollten sich die Rahmenbedingungen bis 2040 nicht verbessern. „Wir haben es in der Hand, dieses Szenario abzuwenden. Wir müssen durch strukturelle Reformen die Wirtschaft in Schwung bringen und die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Gelingt uns das, werden wir ab 2030 wieder auf Wachstumskurs sein“. Diese Entwicklung wird in einem dritten Szenario dargestellt. „Aus heutiger Sicht scheint diese Prognose am wahrscheinlichsten“, bewertet Gunnar Platz die Aussichten. Das setze aber die genannten leistungsfähigen Rahmenbedingungen voraus.