Der Bericht der Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) warnt aktuell, dass der rasche Wandel auf dem europäischen Drogenmarkt, insbesondere in Bezug auf die zunehmende Verfügbarkeit einer Vielfalt an Substanzen, neue Gesundheits- und Sicherheitsrisiken mit sich bringe. Hendrik Streeck, der neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, sagte dazu dem SPIEGEL: "Wir sehen eine besorgniserregende Dynamik auf dem Drogenmarkt – immer mehr Substanzen, immer gefährlichere Wirkstoffe, immer niedrigere Hemmschwellen beim Konsum." Als Arzt alarmiere ihn besonders der zunehmende Mischkonsum. Streeck spricht von Substanzcocktails, „deren Wirkungen nicht mehr zu kalkulieren sind“. Im aktuellen Bericht wird außerdem auf gestiegene Verfügbarkeit und Handel von neuen Psychoaktiven Stoffen (NPS) wie synthetischen Cathinonen, synthetischen Opioiden sowie synthetischen Cannabinoiden aufmerksam gemacht. Die nach wie vor hohen Sicherstellungen von Kokain belegen laut Bericht auf eine anhaltend hohe Verfügbarkeit in Europa. Kokain ist in Europa das am häufigsten konsumierte illegale Stimulans und wurde im vergangenen Jahr von etwa 4,6 Millionen europäischen Erwachsenen (im Alter von 15 bis 64 Jahren) konsumiert. Zu den neueren Entwicklungen im Drogenhandel gehören laut EUDA auch der vermehrte Handel mit hochwirksamen illegalen Cannabisprodukten.
Ein Teil der Produkte, die als Cannabis verkauft würden, seien zudem mit synthetischen oder halbsynthetischen Cannabinoiden versetzt, ohne dass die Konsumierenden davon wissen. Die EUDA unterstützt die EU-Mitgliedsstaaten unter anderem mit Warnmeldungen darin, frühzeitig auf neue Herausforderungen im Drogen- und Suchtbereich reagieren zu können. Im ihrem jährlich erscheinenden „European Drug Report“ werden zum selben Zweck umfassende Daten zu Drogenkonsum und -handel gesammelt und analysiert.
CDU-Gemeinderatsfraktion fordert Drogenabwassermonitoring zur gezielten Prävention
Die CDU-Gemeinderatsfraktion Mannheim hat einen Antrag zur Einführung eines Drogenabwassermonitorings in den Stadtbezirken eingebracht. Ziel ist es, anonym und wissenschaftlich fundiert Erkenntnisse über Konsumtrends zu gewinnen, um gezielte Maßnahmen zur Prävention und Schadensminimierung zu entwickeln. „Wir brauchen eine moderne, datengestützte Grundlage für unsere Drogenpolitik in Mannheim. Durch das Monitoring können wir frühzeitig Trends erkennen, gezielt Stadtteile mit besonderen Herausforderungen unterstützen und bestehende Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit überprüfen“, erklärt der sicherheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Jürgen Dörr. Der Fraktionsvorsitzende Claudius Kranz betont die Chancen des Ansatzes: „Andere Städte wie Berlin, München und Stuttgart nutzen diese Methode bereits erfolgreich. Mannheim sollte nicht hinterherhinken, sondern sich wissenschaftliche Erkenntnisse zunutze machen, um wirksame Strategien zu entwickeln.“ Die CDU-Fraktion fordert die Stadtverwaltung auf, ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten, das Machbarkeit, Kosten und Kooperationen mit wissenschaftlichen Instituten berücksichtigt. "Zudem soll eine enge Zusammenarbeit mit dem Drogenverein Mannheim sowie weiteren Akteuren aus der Drogenpräventionsarbeit und der Polizei erfolgen," erklärt Stadträtin Sengül Engelhorn. „Es geht nicht um mehr Repression, sondern um eine anonymisierte Prävention“, stellt Dörr klar. „Wir müssen den Herausforderungen mit einem realistischen Bild des Konsums begegnen und daraus nachhaltige Maßnahmen ableiten.“ Die CDU-Fraktion sieht im Drogenabwassermonitoring die Chance für eine faktenbasierte und effektive Drogenpolitik in Mannheim.
Der Antrag wurde zur Sitzung des Gemeinderats am 3. Juni 2025 eingebracht und in den Ausschuss für Bildung und Gesundheit, Schulbeirat, Jugendhilfeausschuss am Donnerstag, 26. Juni, 16 bis 17.30 Uhr zur öffentlichen Beratung verwiesen. Die Sitzung im Ratssaal (Stadthaus N 1, 68161 Mannheim) kann direkt vor Ort oder per Livestream (unter www.youtube.com/@StadtMannheim/streams) mitverfolgt werden.
Weitere Informationen zum Europäischen Drogenbericht 2025 gibt es unter https://www.euda.europa.eu/edr2025. In dem Bericht wird die Drogensituation bis Ende 2024 basierend auf Daten aus dem Jahr 2023 oder dem neuesten verfügbaren Jahr beschrieben. Die Ergebnisse des Berichts werden unter anderem in die nächste EU-Drogenstrategie einfließen.

